1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

25.9.1917 Das Batterieschwein vertrocknet

/ / 21.7.-1.11.1917 Verdun

Das Batterieschwein vertrocknet – ein Wildschwein ist ertragreicher.

Der heutige Tag hätte ein Festtag für die Batterie werden können – doch kommt es manchmal anders, als man denkt. Der Gang der Dinge war jedenfalls folgender:

Bei unserem letzten Ruheaufenthalt war der Batterie ein Schwein zum Mästen übergeben worden. Man ging dabei anscheinend von der Voraussetzung aus, dass der Gaumen einer Sau doch manches als Leckerbissen ansehen würde, was von den Mannschaften entweder wegen mangelnder Fettaugen oder wöchentlich dreimaliger Wiederholung oder aus anderen Gründen verschmäht wird.

Wer in Friedenszeit gedient hat, weiss ja zur Genüge ,wie schnell sich bereits damals – trotz bester Verpflegung – die Tonnen links oder rechts vom Ausgang der Kantine für diese edlen Borstentiere füllten. Wieviel mehr musste da hier draußen im 4. Jahre des Krieges abfallen.

Na kurz und gut, unser Batterieschwein entwickelte sich angesichts solcher Umstände prächtig und wurde von Tag zu Tag runder. Wir verziehen ihm alles – mit der stillen Hoffnung im Hintergrunde, dass wir für unser Opfer demnächst reichlich entschädigt werden würden.

Vor 8 Tagen erlitt unser Liebling “über Nacht” den Heldentod. Wir erfuhren es trotz vieler Heimlichkeit, schwelgten in den höchsten Regionen und malten uns im Geiste aus, wie wir nun bald alle im Fett schwimmen würden.

Leider musste das Fleisch und die daraus gefertigte Wurst noch einige Tage in der Offiziersbaracke hängen, da das Schwein nach Ansicht unseres “Pferde”-Doktors im frischen Zustande für die Mannschaften zu schädlich gewesen wäre.

Heute endlich bekamen wir unser Teil ab — pro Mann ein viertel Pfund Wurst?!? Uns blieb die Spucke weg. Entsprach diese Verteilung doch einem Gesamtgewicht von nur etwa 50 Pfund.

Der Verbleib des Restes liess sich beim besten Willen nicht aufklären. Es wurde uns jedoch die Lesart suggeriert, dass er infolge der großen Hitze während der letzten Tage “Vertrocknet” sei???

Gut, dass die Wurstportionen, die wir heute erhielten, bereits stanken – sonst wäre der kleine Rest in den nächsten Tagen sicher auch noch verdorrt.

Da hatte es ein Wildschwein, dass vor fünf Tagen von einem unserer Herren ganz in der Nähe unseres Waldlagers erlegt wurde, doch weit besser. Die vier Bollen wanderten ungeteilt mit dem nächsten Urlauberzug in die Heimat.

Böse Zungen behaupten zwar, dass sie Gesellschaft gehabt hätten — doch ich glaube nicht daran!

 

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 9.10. 

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