1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

13.1.1918 Neue Flugblätter der Franzosen

/ / 2.11.17-20.1.18 Zum dritten Mal an der Aisne

Draußen ist alles weiß. Neue Flugblätter der Franzosen. Wer ist der nächste Angreifer?

Ich bin seit dem 7. wieder in Stellung. Draußen ist noch alles weiß. Zweimaliges Tauwetter vermochte den Winter nicht zu verscheuchen.

Solange wir hier unsere ruhige Stellung behalten können, soll uns die Kälte willkommen sein. Wir finden sogar wieder einmal Gelegenheit, gegenseitig ein Wort über die allgemeine Kriegslage zu verlieren, wobei die Meinungen allerdings stark auseinandergehen.

Jetzt spricht man nicht mehr von einem Angriff der Franzosen, sondern von einem Vormarsch unsererseits. Noch ist nichts besonderes davon zu bemerken. Wir sind jedoch alle von einer gewissen Unruhe befangen, die nach alter Erfahrung vorahnend ein Teil Wahrheit in sich birgt.

Jedenfalls können wir den Zeitpunkt kaum erwarten, wo es wieder vorwärts gehen soll. Und bei den Franzosen scheint diese innere Unruhe gleichfalls Platz gegriffen zu haben. Die letzten Gefangenenaussagen lassen deutlich erkennen, dass sie das Schlimmste erwarten und alles tun, ihre Stellungen weiter auszubauen und zu befestigen.

Wie eigenartig mutet es da an, dass sie wiederum einmal versuchen, durch Flugblätter lächerlichen Inhaltes auf unsere Truppen einzuwirken — und ihre eigene Angst und Schwäche zu verbergen. Die Blätter wurden – wie immer – durch Flieger abgeworfen und tragen folgende Aufforderung:

Vorderseite

Vorderseite:

Republik bedeutet Frieden und Freiheit!

An die Kameraden an der Westfront:

Wir haben erreicht, dass folgender Befehl im französischen Heere ausgegeben wurde: Wer sich gefangen gibt (einzeln oder in kleinen Gruppen) und das Losungswort Republick ausspricht, wird nicht mehr als kriegsgefangener Feind behandelt. Wenn er will, kann er mit uns, mit gleichgesinnten Landsleuten, an der Befreiung Deutschlands arbeiten.

Euere republikanischen Kameraden.

Rückseite

 

Rückseite:

Republik bedeutet Frieden und Freiheit!

Fürchtet nicht, dass Eure Namen von Eurer Regierung jemals gekannt werden, dass Euch durch Überlaufen die Rückkehr in Euer Vaterland versperrt wird! Dieser Krieg wird nicht enden, bevor der preussische Militär- und Junkergeist zu Boden geworfen und damit die Bahn für unsere Heimkehr frei geworden ist.

Wir werden als die wahren Sieger und Befreier unseres Vaterlandes mit Ehren in die Heimat zurückkehren und mit Jubel empfangen werden.

Euere republikanischen Kameraden.

Auch dieses Flugblatt reizt zu Betrachtungen. — Ich will trotz allem nicht hoffen, dass unsere Truppen schon so zermürbt sind, dass sie den prahlerischen Versprechungen des Feindes glauben und sich zu Unbesonnenheiten hinreißen lassen.

Stecken hinter diesem elenden Geschreibsel aber wirklich nur noch Franzosen – oder gibt es jenseits der Linien schon genug deutsche Lumpen, die dem Gegner die Hand zum Kampfe gegen uns reichen?

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 15.1.