1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

19.1.1915 Barbaren oder „bons camerades“?

/ / 11.10.1914 - 8.3.1915 In Französisch Flandern

Barbaren oder “bons camerades”?

Ich mache die Bekanntschaft einer französischen Bauernfamilie, die ihre kleine Besitzung etwa 100m hinter unserer Geschützstellung trotz der täglichen Gefahr nicht aufgeben will.

Der Mann steht – wie wir – im Felde. Die Frau besitzt noch 2 Kühe, verkauft Milch und wäscht für uns Hemden und Hosen. Sie fühlt sich im Vergleich zu den Besitzern der vielen größeren “Fèrmen”, die geflohen sind und bei ihrer Rückkehr nur zerstörte Gehöfte wiederfinden werden, unter unserer Obhut wohl und geborgen.

Dass sie und auch die anderen Bewohner uns schon längst nicht mehr als “Barbaren”, sondern immer und immer wieder als “bons camerades” bezeichnen, beweist im übrigen, wie verschieden die Stellung des Einzelnen zum Kriege ist. Freund und Feind sind hier aufeinander angewiesen und vertragen sich – für mich außerdem eine willkommene Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse zu vervollkommnen.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 20.1.

  1. Das hört sich für mich ein wenig nach Stockholm-Syndrom an: die Besetzten entwickeln positive Emotionen für ihre Besatzer…

    Viele Grüße

    EG

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  2. Ich glaube das ist eher die Angst vor den Besatzern.
    Gute Miene zum bösen Spiel…

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  3. Denke auch, dass sie nur Gute Mine machte. Immerhin ist ihr Mann als Soldat im Felde und sie muss sehen wie sie zurecht kommt. Wurde Familien, die hinter den feindlichen Linien lebten, eigentlich der Sold ausgezahlt? Oder wie war das damals in einem solchen Fall geregelt? Konnte der Mann eigentlich seine Familie besuchen? Was sieht da die Landkriegsordnung vor? Abseits der großen Betrachtung des Krieges sollten auch solche Frage mal angesprochen und evtl. von einem kundigen Leser beantwortet werden.

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  4. Landurlaub haben die bestimmt bekommen, aber ich bezweifle das er Urlaub in einem besetzten Gebiet machen konnte…
    Seine Familie hat er erst wieder gesehen, wenn die Deutschen abmarschiert sind.

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