1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

23.8.1917 Trotz Feuer auf der Stange sitzen

/ / 21.7.-1.11.1917 Verdun

Die feindlichen Angriffe finden endlich energetischen Widerstand. Vorgeschobene Beobachtung in der “Hagen”-Stellung. Eine zweite Baumbeobachtung. In der Batterie Verwundete. Wenn man trotz feindlichen Feuers auf der Stange sitzt..!

Am gestrigen Vormittag war die feindliche Tätigkeit gering. Der Feind befestigte seine Stellungen und richtete sich darin weiter häuslich ein.

Am Nachmittag setzte sein Zerstörungsfeuer auf unsere Gräben von Forges bis “Höhe 304” von neuem ein und am Abend kam es anschließend zu weiteren Angriffen auf der ganzen Linie. Diesmal bot jedoch unsere abermals reichlich verstärkte Artillerie ein gebieterisches Halt. Bereits eine Stunde später – gegen 11 Uhr abends – ging das Feuer auf beiden Seiten zum allgemeinen Störungsfeuer für die Nacht über.

Eine Veränderung unserer Linie gegenüber der jetzigen Basis (entlang dem Forges-Grund) ist kaum mehr zu erwarten, denn auch die Infanterie hat überall Zuwachs bekommen und hält nun stand.

Heute morgen musste ich für unsere Batterie eine vorgeschobene Beobachtung innerhalb dieser neuen Linie aussuchen. Der Anmarschweg war recht beschwerlich, besonders, nachdem ich aus dem inzwischen reichlich zerfetzten Forges-Wald heraus und über freies, ungedecktes Gelände hinweg musste. Doch ging alles gut.

Aber weder die vordersten Gräben noch die dicht dahinter liegende 2. (Hagen-) Stellung boten auf die befohlenen Ziele Ausblick, so dass der Tag für mich ein verlorener war – wenn ich nicht die in einer verlassenen und zerschossenen Feldartillerie-Stellung “plus” gemachten beiden Langschäfter als Ausgleich für meine Mühe rechnen will.

Besser wäre freilich gewesen, ich hätte diese Stätte des Grauens nie betreten. Es sah wüst darin aus. Ein Volltreffer mochte die Bedienung überrascht und zur eiligen Flucht veranlasst haben. Als ich hineinkroch, prallte ich entsetzt zurück. Zwei Füße eines vom Erdreich verschütteten Kameraden ragten steif in die Luft.

Ich war froh, als ich wieder die Nähe lebender Menschen spürte und auf unserer jetzigen zweiten Baumbeobachtung ankam.

Sie bietet übrigens bedeutend besseren Überblick und wäre auch sonst ganz angenehm, wenn wir nur ein ganz klein wenig mehr Schutz hätten. Aber wir hängen hier eben wie eine Cocosnuss am schwankenden Rohr. Immer wieder klirren uns die Splitter der verfl… Ratscher um die Ohren, mit denen die Franzosen jetzt jede Stelle des Forges-Waldes abtasten.

In der Batterie, die ebenfalls fortgesetzt unter feindlcihem Feuer liegt, wurde heute ein Mann (Kanonier E.) schwer verwundet, und in der vergangenen Nacht erhielten noch zwei Fahrer beim Abtransport von Leermunition eins aufgebrannt, während vier Pferde tot zurückblieben.

Etwas glimpflicher kam vor wenigen Tagen ein Kamerad davon, als er zufällig auf der “Stange” sass. Er hatte ungeachtet der alle Augenblicke einschlagenden Streugeschosse sein Achterteil dem Feinde zugekehrt und dachte sich: “Ihr Herren Franzosen könnt mich mal …” , da saß auch schon eine feindlcihe Granate dicht bei ihm, blies ihm einige kleine Splitterchen in die Verlängerung seines Rückens und brach die Sitzung vorzeitig ab.

Jetzt ist es mit seinem Heldenmut aus. Er schnuppert erst ein paar mal in der Luft herum, wenn er einen Gang wagen muss und kommt oft unverrichteter Dinge zurück, weil jeder Knall im Gelände bei ihm das Gefühl auslöst, als sei die Ladung für ihn ganz allein bestimmt.

Die Tätigkeit an der Front hat am Nachmittag wieder zugenommen. Besonders liegen die Gräben bei der Höhe 304 unter starkem feindlichen Feuer, so dass neue Angriffe erwartete werden.

Da unsere Feuerstellung unhaltbar geworden ist, werden die Geschütze heute Abend 2km nach rückwärts gezogen. Auch unsere Beobachtung kann hier nicht länger bleiben.

 

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 25.8.

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