1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

25.1.1915 Sturm auf Givenchy und Cuinchy

/ / 11.10.1914 - 8.3.1915 In Französisch Flandern

Sturm auf Givenchy und Cuinchy. Der Kampf wogt hin und her – selbst Wassertorpedos helfen nicht.

In der Nacht hat man versucht, die auf Feindesseite liegenden Schleusen und Dämme des Kanals von La Bassée mit Torpedos in die Luft zu sprengen, um die englischen Schützengräben zu überfluten und die Tommys zu versaufen. Der Plan hatte nur teilweisen Erfolg, so dass wir um den nur ersatzweise beabsichtigten Sturm nicht herumkommen.

Morgens 8:15 Uhr setzt zu seiner Vorbereitung planmäßig eine heftige Kanonade  unserer zahlreichen, für diesen Sonderzweck hier zusammengezogenen Artillerie ein. Der anschließende Infanterievorstoß bringt die mühelose Besetzung des Ortes Givenchy durch 6 Kompagnien mit sich.

Nachdem der Feind starke Reserven herangezogen hat, müssen wir die Stellungen jedoch wieder preisgeben.

Besser steht es mit dem Ort Cuinchy. 2:50 Uhr nachmittags wird hier die Einnahme sämtlicher feindlicher Schützengräben, Erbeutung von 1 Geschütz und 3 Maschinengewehren sowie die Gefangennahme von 100 Mann gemeldet.

Die Straßen von La Bassée stehen voller Infanterie-Reserven, die einen erneuten Sturm auf Givenchy unternehmen sollen.

Bei Einbruch der Dunkelheit ereignet sich bei ihnen ein seltsamer Unglücksfall: Aus einem Lager werden Handgranaten verteilt. Dabei hat sich unbemerkt eine Verschlusskappe gelöst. Ehe sich noch die Umstehenden in Sicherheit bringen können, gibt es einen heftigen Knall. Ein ganzer Sack voll Handgranaten fliegt mit in die Luft — und etwa 10 Mann wälzen sich in ihrem Blute.

9 Uhr abends: Unsere Truppen haben sich darauf beschränkt, ihre Stellungen zu halten. Die Verluste sind leider bedeutend. Zur Verhinderung eines weiteren Gegenangriffs wird Givenchy während der ganzen Nacht halbstündlich von der schweren Artillerie mit Beunruhigungsfeuer belegt. Von drüben kommen ebenfalls alle Augenblicke Streuschüsse nach La Bassée.

Man hat sich schon wieder daran gewöhnt.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 26.1.

  1. Mein Großvater war an diesem Tag ebenfalls an dieser Front und schrieb:

    Um ½ 9 Uhr setzt die gesamte Artillerie ein. Bald antwortete auch die feindliche. Es war ein Höllenlärm. Es sauste, krachte, blitzte und pfiff, als ob alle Teufel los wären. In solchen Momenten ist man ganz ruhig. Man hört ja nicht das einzelne Geschoß, und den Leuten muß man jetzt Ruhe zeigen. ½ 10 hörte die Artillerie auf, Leuchtrakete hoch unsere Infanterie brach aus den Gräben vor. Die Sturmkolonnen bestanden aus

    17. 10. 9. 6. 7. 8.
    11. 4., 5.
    1. 2. 3.

    Wer das gesehen, wie die Jungens vorgingen! Das kann man nicht beschreiben. Vor uns ging die 11. in einer Sappe vor, rechts die 9. über’s freie Feld. Ein rasendes Feuer empfing sie. Der feindliche Graben war von der Artillerie nicht erfaßt worden und erwies sich dicht besetzt. Mehrere Maschinengewehre ratterten los. Es fiel alles. Zurück gingen unsere Kerle nicht, sie wurden einfach niedergemäht. In 10 Minuten war der Sturm der linken Kolonne abgeschlagen Meine Kompanie kam gar nicht mehr zum Einsatz; ich hatte nur einige Verluste. Die rechte Sturmkolonne überrannte den feindlichen Graben, geriet aber schon im Dorfe selbst in Maschinengewehrfeuer von beiden Flanken, daß auch sie einfach aufgerieben wurde. Es war ein sehr, sehr trauriger Tag und doch ein Glanztag für’s Regiment. Aber 600 Mann und 11 Offiziere kostete der Sturm. Von der 6. und 9. Kompanie waren nur etwa je 10 Mann übrig geblieben.

    Am nächsten Tage kam schon Ersatz für diese Kompanien.

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