1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

29.3.1918

/ / Nochmals nach dem Norden (Cambrai) 20.1.18-26.3.18

Die ungefähr 50stündige Reise über Valenciennes (wo wir beinahe noch das Opfer feindlicher Fliegerbomben geworden wären), Namur, Lüttich, Herbesthal, Köln, Hagen, Paderborn bis Göttingen trug die gleichen Kennzeichen, wie die Fahrt im Krankenwagen und Sanitäts-Auto. Zwar waren die Schienen glatter als die Wege und Straßen von der Front — aber das rücksichtslose Anziehen der Lokomotive nach jedem Halt, bei dem der Zug wie eine Zieharmonika auseinandergezogen und zusammengeschoben wurde, löste bei allen Fahrtteilnehmern – ohne Ausnahme – neue Schmerzen aus.

Wir haben dabei gejammert und geflucht – geholfen hat es nichts.

In Göttingen wurde ich am 29.3.1918 – einen Tag nach meinem 26. Wiegenfeste – in das Reservelazarett II, Abteilung Thüringer Hof, eingeliefert. Ich konnte trotz allem noch von Glück reden – mein Geburtstag hätte leicht mein Todestag sein können.

 

Der nächste Tagebucheintrag folgt Anfang Mai.

  1. Na, dann herzlichste Glückwünsch nachträglich und gute Genesung.

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  2. Erst 26 Jahre alt (und damit halb so alt wie ich jetzt!) und an Körper wie Seele verwundet. Seit Juli 2014 folge ich diesem Blog, der ein (mich nachdenklich-faszinierend machender) Einblick in das Erleben und Denken eines Menschen/Soldaten vor 100 Jahren ist. All die Tagebuch-Einträge lassen mich auch dankbar dafür sein, dass es uns insgesamt so gut geht im Deutschland des Jahres 2018 – auch wenn uns große Fragen und Aufgaben gestellt werden. Angesichts des für Herbst 1918 anstehenden Umbruchs (Niederlage und „Novemberrevolution“) erscheint mir das aber (zumindest aus jetziger Sicht!) historisch als „Kleinigkeit“.

    Danke für all die leidenschaftliche Arbeit mit diesem Blog und frohe Ostern wünscht aus Lübeck Jan Ole

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  3. Da ich noch nicht herausgefunden habe, wie man bei OSM Zwischenziele einbaut, gibt es die Route von Bouchain nach Göttingen eben bei Google Maps.

    Ausgeschlafen und unverletzt stelle ich mir 50 Stunden im Zug schon lange vor, wie muss das erst damals gewesen sein. Vermutlich dürften die genannten Städte jeweils einen mehr oder weniger kurzen Aufenthalt bedeuten. Insgesamt ergibt sich so eine Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 15km/h.

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    • Schon mal mit der Bundeswehr eine Verlegung per Schiene mitgemacht ?

      Die brauchte noch in den Achtziger Jahren grob 12 Stunden für gute 140 km von Neuenkirchen / Schwanewede nach Munster …
      Klar, werden manche anmerken wollen, sei in Friedenszeiten der zivile Verkehr mit Vorrang unterwegs gewesen;
      dumm nur, wenn das an einem Wochenende war, wo längst nicht so viele Züge unterwegs sind. Und die Strecke von Neuenkirchen / Schwanewede nach Munster ging über absolute popelige Nebenstrecken, keine ICE Linien wie Hamburg – Bremen – Dortmund

      Und wenn von 6 U Booten keins einsatzbereit ist und bei den Panzern 3/4 nicht, dann dürfte heute vieles schlechter aussehen als damals. Aber ggü. den 80ern sind ja nun die Polen unsere Ostverteidigung mit neuen Patriots und was auch immer, da ist die Bundeswehr wohl eher 2. Reihe und das mit schlechter qualifiziertem Personal, denn schließlich müssen die jeden nehmen, der noch 2 Beine hat und sich freiwillig meldet. Was damals als T5 und ausgemustert galt, ist heute 1. Wahl … und auch die Anforderungen wurden auf ganzer Breite abgesenkt an dem Tag, an dem man Frauen für die Kampfkombos haben wollte, nur tun die sich halt schwerer mit dem Gepäck und Anforderungen. Na ja, die Polen sind ja „freiheitsliebend“ geworden und werden dieses Mal gewappnet sein wollen, so dass es auf eine Bundeswehr nicht mehr ankommen muss, die an sich noch nie wirklich überzeugen konnte und Respekt bekam.

      Anno 1918 waren die deutschen Truppen auch Dank ihrer taktischen Innovationen gefürchtet, gerade während der ersten Großoffensive mit Geländegewinnen vor 100 Jahren. Mal sehen, ob Ernst noch über Neuigkeiten von der Offensive, der Front und seiner Einheit berichten wird in den verbleibenden Monaten seiner Genesung, ob und wann er ausgemustert wurde und wie es ihm danach noch erging. Vieles von dem aktuell geschriebenen wirkt nachträglich / rückblickend verfasst, so dass die Hoffnung bleibt, dass er sich dem ein oder anderen Thema noch gewidmet haben mag, bevor die Wende und Revolution das Land einholten.
      Warten wir`s ab.

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      • nun gut, damals wie heute laeuft vieles ueber den Obergefreitendienstweg…ich habe diesen Blog mit hoechstem Interesse verfolgt die letzten Jahre. Vielen Dank fuer die harte Arbeit !!!! Gruss aus Massachusetts

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