1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

1.4.1915 Wir nähern uns der Champagne

/ / In der Champagne 27.3.15 – 30.6.15

Wir nähern uns der viel gepriesenen Champagne.

Wecken: 7:30 Uhr

11 Uhr Appell und Gesundheitsbesichtigung.

5 Uhr nachmittags Abmarsch.

Der Weg erscheint uns heute endlos. Weit und breit ist kaum ein Haus zu sehen. 3 von ihnen genügen schon, um Anspruch auf einen Dorfnamen zu erheben.

Wir kommen durch Mazargani, Constantin, das vollständig in Grund und Boden geschossene Somme-Py, machen halb 10 Uhr abends auf freiem Felde Rast und stellen fest, dass wir uns inmitten der “vielgepriesenen Champagne” befinden.

Die wenigen Waldstücke, die auf dem dürftigen, weißleuchtenden Kalkboden ihr Dasein fristen, aber werden auf einmal lebendig. Sie sind mit Unterkünften aller Art – teils über und teils unter der Erde – gefüllt.

Nur wenige Kilometer trennen uns noch von der Front.

12 Uhr nachts verlassen wir unseren Lagerplatz und rücken über Tahure weiter vor.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 2.4.

  1. In der Nähe von Somme-Py, östlich der Ferme Navarin, wo heute das große Denkmal steht und sich unmittelbar ein Übungsplatz der französischen Armee befindet, wurde mein Urgroßvater Georg Brüll, Landwehr-Rekrut im Sächsischen Landwehr-Infanterie-Regiment 106, am 28.09.1915 – also noch etwas weniger als ein halbes Jahr in die Zukunft nach der Zeitrechnung des Tagebuchs – durch Gewehrschuss in den Oberschenkel verwundet. Er starb am 10.10.1915 im Kriegslazarett in Vouziers, heute eine Polizeikaserne. Er hinterließ meine Urgroßmutter und drei kleine Kinder. Die jüngste Tochter, meine Großtante, hat ihren Vater nie gesehen. Sein letzter Brief aus dem Lazarett lautete:

    Meine liebe gute Frau Eltern Kinder
    Ich muss sterben
    Sorge für unsere Kinder
    Dein Georg
    Gott segne Euch

    Das Kameradengrab, in dem er beerdigt wurde, und das nichts weiter als ein Massengrab für mehrere tausend Gefallene ist, existiert auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Vouziers noch und wird vom Volksbund gepflegt. Es ist mit roten Rosen bepflanzt und bis heute eine Mahnung.

    Man mag zu den Details europäischer Integration stehen, wie man will, aber alles ist besser als kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Völkern. Es tut gut, sich das immer mal wieder durch eine Reise zu den Friedhöfen des 1. Weltkrieges – keine 90 Minuten ab Saarbrücken hinter die deutsch-französische Grenze – bewußt zu machen.

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    • MeinGrossvater ,Hermann Fricke, Infrantrie-Regiment Nr.92 ,4. Komanie, fiel am 2. Oktober bei der Schlacht um Sommes Py in der Champagne.Ich wüsste gerne, wo er begraben liegt.

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