1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

12.12.1914 Besuch in Fournes

/ / 11.10.1914 - 8.3.1915 In Französisch Flandern

Besuch in Fournes.

Ich habe frei und benutze diese Gelegenheit zu einem Gang nach Fournes, unserer Sammelstelle.

Der Ort zählte zu Friedenszeiten etwa 2000 Einwohner. Jetzt ist die Einwohnerzahl beträchtlich zusammengeschmolzen. Dafür sind umso mehr deutsche Soldaten da. Überall merkt man ihre ordnende Hand.

Die größeren Gebäude sind für Lazarett- und Verwaltungszwecke eingerichtet worden. Die Straßen machen einen sauberen Eindruck. Die Unterkünfte der Leute sind zwar einfach, aber im Rahmen der Verhältnisse wohnlich und behaglich. Zivilisten und Soldaten hausen hier einträchtiglich nebeneinander.

Undweit des Lazarettes – an der Bahn – befindet sich auch ein deutscher Friedhof. 30 Krieger ruhen bereits auf ihm. Teils sind sie in den Kämpfen gefallen, teils ihren schweren Wunden im Lazarett erlegen.

Auf einem Grab finde ich die Inschrift: “Hier ruhen in Frieden ein deutscher und ein englischer Krieger mit Namen…!”

Ein anderer Hügel beherbergt einen der Unseren, der am 17.11.1893 geboren wurde und jetzt – genau nach 21 Jahren – am 17.11.1914 fiel.

Erbarmungslos greift der Tod in die Geschicke der Einzelnen hinein. Dies letztere aber in seiner besonderen Tragik zwingt die Gedanken für Augenblicke ab vom Kriegslärm zur stillen Einkehr.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 13.12.

  1. Am 16.12. schrieb Leutnant d. Reserve Walter Klingspor in sein Kriegstagebuch

    Das Wetter ist etwas besser und kälter geworden. Ich freue mich für die Infanterie. Die Schützengräben sind ihnen bei dem Regenwetter eingestürzt.

    Der Major hat endlich unser Quartier nach Fournes* zurückverlegt.

    Die Engländer haben ihre Drahtverhaue weggeräumt, so daß man annimmt, sie wollen bald einen großen Angriff machen. Das ist aber jetzt zu spät. Vor zwei Wochen, als wir durch Wegsendung von vier Armeekorps nach Osten sehr geschwächt waren und uns noch nicht eingebaut hatten, konnte vielleicht ein Angriff Erfolg haben. Jetzt geht es nicht mehr. Die Feinde – auch die deutschen Berichterstatter – haben sich nach meiner Ansicht täuschen lassen. Die Truppensendung – nur junge Rekruten – nach Nordfrankreich sollte den Abtransport der fechtenden Truppe nach Osten verdecken. Das hat sie getan. Jetzt merkt der Feind, daß ein Angriff von unserer Seite gar nicht geplant war. Für ihn aber zu spät.

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