1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

1.6.1917 Das Leben in der Etappe

/ / Zum zweiten Mal an der Aisne 3.3.17-8.7.17

Das Leben in der Etappe.

Kursus in Maubeuge 1.6.1917

 

Kursus in Maubeuge 1.6.1917 

Ankunft 10 Uhr vormittags.

Wir merken gleich, dass wir in der Etappe sind. Von Krieg keine Spur.

Maubeuge ist ein wunderbar gelegenes Städtchen. Überall saftiges, frisches Grün zwischen den Häusern. Der Wallgraben um den Ort herum – ein kleiner Park für sich – ladet zum Verweilen ein.

Das Zivile Leben und Treiben hat allerdings stark nachgelassen. Hier und da sind noch einige französische Speisewirtschaften und Cafés offen. Das einzige Lokal aber, welches über Bier verfügt, ist das deutsche Soldatenheim.

Die Schaufenster der wenigen noch geöffneten Geschäfte zeigen nur eine dürftige Ausstattung. Fleischerläden existieren überhaupt nicht mehr. Wie ich erfahre, wird die Bevölkerung in punkto Fressalien in letzter Zeit ebenfalls knapp gehalten und genießt gegenüber den Unseren daheim schon lange keinen Vorzug mehr. Es wäre auch noch schöner!

An Militär wimmelt es in jeder Straße. Man glaubt garnicht, wieviele Soldaten hier hinten notwendig sind, damit der Krieg vorn nur ja nicht vorzeitig zu Ende geht. Und in den Vororten rings um Maubeuge dasselbe Bild in verstärkter Auflage — Ob die etwa noch alle von der Belagerung des Jahres 1914 zurückgeblieben sind?

Auch wir werden in einem Vororte, und zwar Ferière la Grande, untergebracht. Tadelloses Quartier mit einem wirklichen, sammetweichen Bett.

Der Ort beherbergt neben den Truppen und der zahlreichen einheimischen Bevölkerung vor allen Dingen noch sehr viele Flüchtlinge – hauptsächlich Frauen und Mädchen – aus der Somme-Gegend. Da alle 2 Minuten so eine Holde über den Weg stolpert, komme ich aus dem Herzklopfen gar nicht mehr heraus. Verpflegung erhalten wir durch einen bayrischen Fußartillerie-Ersatztruppenteil; sie scheint nach dem heutigen Genüssen ausgezeichnet zu sein (also können sie auch anders herum, als wir es von ihnen am Isonzo und an der Aisne gewohnt sind).

Kino, deutsche Bierstube, Kegelbahn und sonstige Annehmlichkeiten sind vorhanden. Nun kann die Geschichte losgehen.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 5.6.